Das Automobil ist keine Erfindung eines einzelnen Tages, aber es hat ein Geburtsdatum, das sich belegen lässt: den 29. Januar 1886. An diesem Tag meldete Carl Benz in Mannheim sein Patent auf ein Fahrzeug mit Gasmotorenantrieb an. Von dort führt die deutsche Autogeschichte über Daimler, Maybach und Bertha Benz, über Weltkriege, Wirtschaftswunder und Dieselskandal bis zu den Zulassungszahlen von 2025. Dieser Beitrag zeichnet die Linie nach und verweist auf die vertiefenden Artikel zu Volkswagen, zum Porsche 911 und zur deutschen Ingenieurskultur.
Der 29. Januar 1886: das Patent von Carl Benz
Carl Benz hatte 1883 in Mannheim mit Partnern die Firma Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik gegründet. Das Geld verdiente das Unternehmen mit stationären Gasmotoren. Parallel entwickelte Benz einen Wagen mit eigenem Antrieb: einen dreirädrigen Motorwagen mit einem Einzylinder-Viertaktmotor, 954 Kubikzentimeter groß und mit rund 0,75 PS ausgestattet. Am 29. Januar 1886 reichte er den Antrag ein, am 2. November 1886 wurde ihm das Reichspatent DRP 37435 erteilt. Mercedes-Benz sieht in diesem Datum bis heute die Geburtsstunde des Automobils.
Die Höchstgeschwindigkeit lag bei etwa 16 km/h. Die ersten öffentlichen Fahrten fanden im Sommer 1886 in Mannheim statt. Zunächst fand der Wagen kaum Käufer, der erste verkaufte Wagen geht auf etwa 1888 zurück. Das Patent selbst ist auf Benz persönlich ausgestellt, nicht auf die Firma.
Bertha Benz und die erste Fernfahrt 1888
Den Beweis, dass der Motorwagen alltagstauglich sein konnte, lieferte Bertha Benz. Am 5. August 1888, einem Sonntag, fuhr sie mit ihren beiden halbwüchsigen Söhnen von Mannheim nach Pforzheim, etwa 106 Kilometer pro Strecke. Ihr Mann war vorher nicht eingeweiht; sie meldete den Erfolg per Telegramm bei der Ankunft. Der Kraftstoff, Ligroin, war nur in Apotheken erhältlich. In Wiesloch kaufte sie ihn in der Stadt-Apotheke, was als erste Tankstelle der Welt gilt. Auf der Strecke reinigte sie eine verstopfte Kraftstoffleitung mit einer Hutnadel und isolierte ein Zündkabel mit einem Strumpfband. Mercedes-Benz beziffert die gesamte Fahrt mit Hin- und Rückweg auf rund 194 Kilometer, weil sie für die Rückfahrt eine andere Route nahm.
Für das Unternehmen war die Fahrt kostenlose Werbung. Ab 1888 verkaufte Benz das Modell 3 in Serie.
Daimler und Maybach in Bad Cannstatt
Gottlieb Daimler arbeitete zur selben Zeit an einem ähnlichen Ziel, aber auf anderem Weg. Er war technischer Leiter bei Deutz gewesen, verließ das Unternehmen 1881 und richtete 1882 in Bad Cannstatt eine eigene Werkstatt ein, gemeinsam mit Wilhelm Maybach. 1885 entstand der Reitwagen, das erste Motorrad. 1886 baute Daimler eine Kutsche zum motorisierten Wagen um, die Motorkutsche. Ein Patent auf ein vierrädriges Fahrzeug im August 1886 gab es nicht, patentiert waren die Motoren. Daimler starb am 6. März 1900.
Auch der Name Mercedes hat Wurzeln in dieser Zeit. Der Geschäftsmann Emil Jellinek bestellte 1900 bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft Fahrzeuge unter der Bedingung, dass sie den Namen seiner Tochter Mercédès tragen. Der Mercedes 35 PS wurde 1901 ausgeliefert, 1902 wurde der Name als Marke eingetragen.
Die Fusion von 1926
Die Inflation der frühen Zwanzigerjahre setzte beide Firmen unter Druck. 1924 vereinbarten Benz & Cie. und die Daimler-Motoren-Gesellschaft eine Interessengemeinschaft, am 28. Juni 1926 entstand formal die Daimler-Benz AG in Stuttgart. Aus dieser Verbindung ging die Marke Mercedes-Benz hervor. Carl Benz, damals 81, gehörte zum Aufsichtsrat und starb am 4. April 1929.
BMW: vom Flugmotor zum Automobil
BMW führt seine Gründung auf den 7. März 1916 zurück, damals als Bayerische Flugzeugwerke in München. Der Name Bayerische Motoren Werke entstand 1917 mit der Übernahme der Rapp Motorenwerke. Gebaut wurden zunächst Flugmotoren. Mit einem Flugmotor, dem BMW IIIa, stellte Franz Zeno Diemer am 17. Juni 1919 einen Höhenweltrekord von 9.760 Metern auf.
Das Versailler Vertragswerk verbot den Bau von Flugmotoren in Deutschland, BMW wechselte zu anderen Produkten. 1923 kam das Motorrad R 32 mit Boxermotor. 1928 kaufte BMW die Fahrzeugfabrik Eisenach, die bis dahin den Dixi nach Austin-Seven-Lizenz gebaut hatte. Das erste Auto mit BMW-Emblem erschien 1929, der 3/15.
Auto Union: vier Ringe, vier Firmen
Am 29. Juni 1932 schlossen sich in Chemnitz Audi, DKW, Horch und Wanderer zur Auto Union zusammen. Vermittelt wurde die Fusion durch die Sächsische Staatsbank. Die vier Firmen waren nicht alle in gleicher Not: Audi und Horch standen schlecht da, DKW war dagegen einer der größten Motorradhersteller. August Horch hatte 1899 in Köln begonnen, 1904 war er nach Zwickau gezogen und gründete 1909 Audi. Die Rennwagen der Auto Union, die Silberpfeile Typ A bis D, hatten Mittelmotoren und stammten aus dem Stuttgarter Konstruktionsbüro von Ferdinand Porsche.
Nach dem Krieg entstand die Auto Union 1949 in Ingolstadt neu. Volkswagen übernahm sie 1964 von Daimler-Benz mehrheitlich und 1966 vollständig, die Marke Audi wurde 1965 wiederbelebt. 1969 folgte die Fusion mit NSU. Horch endete 1958, die Pkw-Marke DKW 1966. Gebaut wird Audi heute in Ingolstadt, Neckarsulm, Győr und San José Chiapa.
Der Volkswagen und Ferdinand Porsche
Am 28. Mai 1937 gründete die Deutsche Arbeitsfront (DAF), eine Organisation der NSDAP, die Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens. Ferdinand Porsche, damals 61, hatte schon 1931 in Stuttgart sein Konstruktionsbüro eröffnet und lieferte die Entwicklung. Das Lastenheft verlangte einen Heckmotorwagen, luftgekühlt, für vier Erwachsene, 100 km/h schnell und für weniger als 1.000 Reichsmark. Der angekündigte Kaufpreis betrug 990 Reichsmark. Zivile Käufer des KdF-Wagens erhielten kein Auto, es entstanden bis 1945 nur wenige hundert Exemplare. Der Kübelwagen (Typ 82) war ein eigenes Militärfahrzeug.
Die Serienproduktion in Wolfsburg begann unter britischer Verwaltung am 27. Dezember 1945. Bis Jahresende waren 55 Wagen fertig, 1946 waren es rund 1.000 im Monat. Der Käfer wurde von 1938 bis 2003 gebaut, insgesamt 21.529.464 Stück laut Volkswagen, der letzte am 30. Juli 2003 im mexikanischen Puebla. Die Geschichte der Marke im Detail finden Sie im Beitrag Die Volkswagen-Story.
Gmünd 1948: der erste Porsche
Ferdinand Porsche war nach Kriegsende von Dezember 1945 bis August 1947 in französischer Haft und wurde gegen Kaution freigelassen. Das Konstruktionsbüro war 1944 nach Gmünd in Kärnten verlagert worden. Dort leitete Sohn Ferry Porsche den Bau des Typs 356. Die allgemeine Betriebserlaubnis für den Wagen Nr. 1 stammt vom 8. Juni 1948. Der Mittelmotorwagen hatte einen 1,131-Liter-Boxermotor mit 35 PS, eine Aluminiumkarosserie und wog 585 Kilogramm. 1950 zog die Fertigung nach Stuttgart-Zuffenhausen. Bis 1965 entstanden rund 76.000 Fahrzeuge des Typs 356. Wie es mit dem 911 weiterging, erzählt der Beitrag Der Porsche 911: sechs Jahrzehnte Evolution.
Das Wirtschaftswunder
Nach 1945 mussten die Hersteller bei null beginnen: Werke waren zerstört oder lagen in der sowjetischen Zone. Der Pkw-Bestand in Westdeutschland wuchs zwischen 1950 und 1960 von 515.608 auf 4,07 Millionen. Das ist die Kulisse, in der Käfer, Opel und Ford, aber auch Mercedes aufstiegen. BMW stand 1959 vor dem Konkurs, bis Herbert Quandt im Dezember 1959 die Kontrolle übernahm. 1961 erschien die Neue Klasse mit dem BMW 1500, die den Wiederaufstieg einleitete.
Die Konzerne von heute
Aus vielen Marken der Nachkriegszeit sind wenige Konzerne geworden. Der Volkswagen-Konzern lieferte 2024 insgesamt 9.027.424 Fahrzeuge aus und beschäftigte im Schnitt 682.724 Menschen, jeweils einschließlich der chinesischen Gemeinschaftsunternehmen. Daimler Truck wurde im Dezember 2021 an die Börse gebracht und vom Pkw-Geschäft getrennt. Opel gehört zu Stellantis. Bugatti ist heute Teil des Gemeinschaftsunternehmens Bugatti Rimac.
Dieselskandal: September 2015
Am 18. September 2015 warf die US-Umweltbehörde EPA Volkswagen per Verstoßmitteilung vor, in rund 482.000 Dieselfahrzeugen in den USA eine illegale Abschalteinrichtung eingesetzt zu haben. Am 22. September räumte Volkswagen ein, dass weltweit etwa elf Millionen Fahrzeuge betroffen sein könnten. Die Aktie verlor am 21. September, dem ersten Handelstag nach der EPA-Meldung, rund ein Fünftel ihres Werts. Die Gesamtkosten gehen in die Dutzende Milliarden. Strafrechtlich wurden Manager von Audi, VW und Porsche angeklagt.
Für Deutschland war die Folge ein dauerhafter Vertrauensbruch beim Diesel. Sein Anteil an den Neuzulassungen sank 2025 auf 13,8 Prozent (395.000 Pkw, minus 18,3 Prozent), nach 17,2 Prozent im Jahr 2024.
Elektrifizierung: die Zahlen für 2025
2025 wurden in Deutschland laut KBA 2.857.591 Pkw neu zugelassen, 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf Elektroautos entfielen 545.142 Fahrzeuge, ein Plus von 43,2 Prozent und ein Anteil von 19,1 Prozent. Benziner kamen auf 27,2 Prozent, Diesel auf 13,8 Prozent. Dazu kamen 311.398 Plug-in-Hybride. Elektro und Plug-in zusammen ergeben 856.540 Neuwagen, 30,0 Prozent. Der Bestand an reinen Elektroautos lag am 1. Januar 2026 bei 2.034.260 (plus 23,2 Prozent), das sind 4,1 Prozent von 49.486.487 Pkw.
Die meistverkauften Elektroautos waren der VW ID.7 (34.563), der ID.3 (31.938), ID.4 und ID.5 zusammen (26.550), der Škoda Elroq (25.426) und der Škoda Enyaq (25.383). Tesla fiel um 48,4 Prozent auf 19.390 Fahrzeuge, BYD wuchs um 706 Prozent und kam auf etwa 0,8 Prozent Anteil. Im März 2026 lag der BEV-Anteil bei 24,0 Prozent (70.663 Fahrzeuge). Der alte Umweltbonus endete am 17. Dezember 2023; die neue E-Auto-Förderung gilt rückwirkend für Erstzulassungen ab 1. Januar 2026, der Antrag beim BAFA ist seit dem 19. Mai 2026 möglich. Aktuelle Marktzahlen bietet der Marktbericht 2025/2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Carl Benz meldete am 29. Januar 1886 das Patent DRP 37435 an, erteilt wurde es am 2. November 1886.
- Bertha Benz fuhr im August 1888 rund 106 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim.
- Die Daimler-Benz AG entstand am 28. Juni 1926.
- Volkswagen wurde am 28. Mai 1937 von der Deutschen Arbeitsfront gegründet, die Serienproduktion begann am 27. Dezember 1945.
- Der erste Porsche, der 356 Nr. 1, erhielt am 8. Juni 1948 seine Betriebserlaubnis.
- 2025 hatten Elektroautos einen Anteil von 19,1 Prozent an den Neuzulassungen.
Weiterführende Artikel
- Die Volkswagen-Story: vom Käfer zum ID
- Der Porsche 911: sechs Jahrzehnte Evolution
- Warum deutsche Autos dominieren: Ingenieurskultur
- Der deutsche Automarkt 2025/2026
- Fahrzeugkatalog und Prospektarchiv
Quellen
- Mercedes-Benz Heritage: Patent DRP 37435, Fahrt von Bertha Benz.
- Britannica: Carl Benz, Bertha Benz.
- Volkswagen Newsroom: 75 Jahre Serienproduktion; Volkswagen Geschäftsbericht 2024.
- Porsche Newsroom: Typ 356 Nr. 1.
- KBA, über electrive, elektroauto-news und auto bild: Neuzulassungen 2025; KBA-Bestand zum 1. Januar 2026 (über electrive, 27. Februar 2026).
- csmonitor und Euronews: Berichte zum VW-Dieselskandal (September 2015).
- germanhistorydocs.org: Pkw-Bestand in Westdeutschland.
Was dieser Leitfaden abdeckt
- 01Der 29. Januar 1886: das Patent von Carl Benz
- 02Bertha Benz und die erste Fernfahrt 1888
- 03Daimler und Maybach in Bad Cannstatt
- 04Die Fusion von 1926
- 05BMW: vom Flugmotor zum Automobil
- 06Auto Union: vier Ringe, vier Firmen
- 07Der Volkswagen und Ferdinand Porsche
- 08Gmünd 1948: der erste Porsche
- 09Das Wirtschaftswunder
- 10Die Konzerne von heute
- 11Dieselskandal: September 2015
- 12Elektrifizierung: die Zahlen für 2025
- 13Das Wichtigste in Kürze
- 14Weiterführende Artikel
- 15Quellen
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