Seit 1963 gibt es den Porsche 911, und seine Silhouette ist bis heute erkennbar. Kaum ein anderes Serienauto hat sich über sechs Jahrzehnte so konsequent weiterentwickelt, ohne seine Grundidee aufzugeben: Sechszylinder-Boxermotor im Heck, zwei Türen, eine Dachlinie, die nach hinten abfällt. Dieser Beitrag erzählt die Geschichte anhand der belegten Daten, von der Umbenennung vom 901 zum 911 bis zum T-Hybrid. Den größeren Zusammenhang liefert die Geschichte der deutschen Autohersteller.

Vom 901 zum 911

Vorgestellt wurde der Wagen im September 1963 auf der IAA in Frankfurt, noch als Porsche 901. Die Zahl folgte der internen Projektnummerierung, ebenso wie beim Formel-1-Rennwagen Porsche 804 von 1962. Die Serienfertigung begann im September 1964. Der erste 911 hatte einen 2,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit 130 PS und ein Fünfganggetriebe.

Die Typbezeichnung hielt nicht lange. Peugeot hatte sich dreistellige Typennamen mit einer Null in der Mitte schützen lassen und widersprach auf dem Pariser Salon im Oktober 1964. Porsche benannte den Wagen daraufhin in 911 um. Bis zum 16. November 1964 verließen exakt 82 Fahrzeuge das Werk noch als 901, sie gingen an Kunden und waren keine Vorserie. Die Rennwagen 904 und 906 behielten ihre Nullen, der 904 hieß als Straßenwagen Carrera GTS.

Butzi Porsche und die Form

Die Form entwarf Ferdinand Alexander Porsche, genannt Butzi, Enkel des Firmengründers und Sohn von Ferry Porsche. Geboren 1935, war er Anfang der Sechzigerjahre Mitte zwanzig. Der Prototyp T7 entstand 1962. Butzi verließ Porsche 1972 und gründete Porsche Design, das später nach Zell am See zog. Er starb am 5. April 2012.

Der Familienbeschluss und die AG-Umwandlung

1971 beschloss die Familie, dass kein Familienmitglied mehr operativ im Unternehmen arbeiten sollte. 1972 wurde aus der Porsche KG die Porsche AG. Ferry Porsche und seine Schwester Louise, verheiratet mit Anton Piëch, waren gleichberechtigte Erben. Louises Sohn Ferdinand Piëch hatte den Porsche 917 mitentwickelt, der 1970 und 1971 in Le Mans siegte. Er wechselte 1972 zu Audi, kam 1975 in den Vorstand für Technische Entwicklung, wurde 1988 Audi-Chef und 1993 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Wie sich diese Linie in der Konzerngeschichte fortsetzte, erzählt der Beitrag Die Volkswagen-Story.

Von F-Modell bis 964

Die F-Serie lief von 1963 bis 1973, die G-Serie vom Modelljahr 1974 bis 1989. Mit dem 928 brachte Porsche 1977 einen Frontmotor-V8, der den 911 eigentlich ablösen sollte. Dazu kam es nicht. Elektronische Motorsteuerung (DME, Motronic) hielt bereits 1984 im Carrera 3.2 Einzug. 1988 kam der 964, im Modelljahr 1989. Er brachte Schraubenfedern, ABS, den ersten Allradantrieb im 911 als Carrera 4 und, so Porsche, rund 85 Prozent neue Teile. 1990 folgte der 964 Turbo.

Die Generationen im Überblick

BaureiheZeitraumMerkmal
F-Modell1963 bis 1973Ur-911, luftgekühlt
G-Modell1973/74 bis 1989Pralldämpfer, 930 Turbo ab 1975
9641988/89 bis 1994erster Allrad, ABS
9931993 bis 1998letzter Luftgekühlter
9961997/98 bis 2005erster wassergekühlter 911
9972004 bis 2011PDK ab 2008 (997.2)
9912011 bis 2019991.2 mit Turbomotoren in allen Carrera
9922018/19 bis 2024Basis der aktuellen Generation
992.2ab Mai 2024Carrera GTS als T-Hybrid

Den 1.000.000sten 911 baute Porsche am 11. Mai 2017, einen Carrera S in Irischgrün. 2025 lieferte Porsche 51.583 Fahrzeuge der Baureihe 911 aus, ein Rekord (plus 1 Prozent). Der alte Rekord von 32.365 Stück stammt aus dem Jahr 2016. Porsche gibt an, dass rund 70 Prozent aller jemals gebauten Porsche noch fahren.

Die Varianten: vom Carrera bis zum GT3

Aus dem Basismodell wuchs eine Familie. Das Cabriolet gibt es seit 1982, den Speedster seit 1988. Der 930 Turbo war von 1975 bis 1989 im Angebot und wurde für die Homologation in der Gruppe 4 gebaut. Im 993 debütierte 1995 der erste 911 Turbo mit zwei Turboladern. Den GT3 gibt es seit 1999 (996), den GT3 RS seit 2003, den GT3 RS 4.0 von 2011. Der 911 R von 2016 erinnert an das Rennmodell von 1967, 991 Stück wurden gebaut.

Auch Sondermodelle gehören dazu. Der 911 Sport Classic (992) erschien 2022 in 1.250 Exemplaren, der 911 S/T zum 60-jährigen Jubiläum 2023 in 1.963. Zur Auswahl im Katalog geht es hier: Porsche im Automobilisto-Katalog, Prospekte finden Sie im Archiv.

1998: die Wasserkühlung

Der 996 war der erste wassergekühlte 911, nach 35 Jahren Luftkühlung von 1963 bis 1998. Er teilte sich die Scheinwerfer mit dem Boxster, was ihm den Spitznamen Spiegeleier-Scheinwerfer einbrachte. Der Schritt war unter Fans umstritten, technisch aber folgerichtig. Beim M96 und M97 gab es Probleme mit dem Zwischenwellenlager (IMS), das war ein bekanntes Thema der Baureihe. Mit dem 9A1 im 997.2 kam 2009 ein neuer Motor mit Direkteinspritzung. Der Mezger-Motor des 996 GT3 stammte aus dem Rennsport, seine Linie reicht zurück zu den Triebwerken des 962 und des GT1.

Zuffenhausen heute

Der 911 wird bis heute im Stammwerk Zuffenhausen gebaut. Das Porsche Museum, 2009 eröffnet und von Delugan Meissl entworfen, steht direkt daneben. Der 718 wird dagegen auch in Osnabrück gefertigt, der Taycan hat eine eigene Fertigung.

Vom 917 zum GT3: Rennsport

Rennsport ist für Porsche Markenkern. Der 917 gewann Le Mans 1970 und 1971, später kamen der 935 und der 962. 1998 siegte in Le Mans der 911 GT1. Die Straßenmodelle profitieren davon: Der 992 GT3 fuhr am 15. September 2020 mit Lars Kern auf der Nordschleife 6:59,927 Minuten. Der GT3 RS der Baureihe 991 blieb unter 7:20.

Der T-Hybrid: der erste elektrifizierte 911

Am 28. Mai 2024 stellte Porsche den 911 Carrera GTS mit T-Hybrid-Antrieb vor, den ersten elektrifizierten 911. Er ist kein Hybrid im Sinne eines Plug-in: Ein elektrischer Abgasturbolader und ein 400-Volt-System mit 1,9 kWh sollen das Ansprechen verbessern und die Leistung steigern, auf 541 PS, 61 PS mehr als zuvor. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h dauert 3,0 Sekunden, das Mehrgewicht liegt bei etwa 50 Kilogramm. 2025 folgte der 911 Turbo S mit T-Hybrid-System.

Wie Volkswagen Porsche übernahm

2008 hatte die Porsche SE über Optionen 74,1 Prozent der VW-Aktien erreicht, die Übernahme scheiterte an der Finanzierung. Es kam anders: Volkswagen übernahm zum 1. August 2012 das operative Geschäft der Porsche AG für etwa 4,5 Milliarden Euro. Die Porsche SE behält die Stimmrechtsmehrheit an VW. An der Spitze der Porsche AG steht seit dem 1. Januar 2026 Michael Leiters. Oliver Blume bleibt VW-Konzernchef, seine Doppelrolle ist damit beendet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der 911 wurde im September 1963 als 901 in Frankfurt gezeigt und nach dem Einspruch von Peugeot im Oktober 1964 umbenannt.
  • Der erste 911 hatte 130 PS und einen luftgekühlten Sechszylinder-Boxer mit 2,0 Litern Hubraum.
  • Der 996 (1997/98) war der erste wassergekühlte 911.
  • 2025 erreichte der 911 mit 51.583 Auslieferungen einen Rekord.
  • Der T-Hybrid (Mai 2024) ist der erste elektrifizierte 911.

Weiterführende Artikel

Quellen

  • Porsche Classic: Seiten zum 901 und zur Umbenennung.
  • Porsche Newsroom: T-Hybrid (28. Mai 2024), Auslieferungen 2025, Führungswechsel (17. Oktober 2025).
  • Porsche Pressemitteilung 2017: 1.000.000ster 911.
  • Volkswagen Geschäftsbericht 2013: Übernahme der Porsche AG.
  • stuttcars, elferspot, carscoops: Sondermodelle und Nordschleifenzeit.